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Pulsmessung beim Pferd – der „Fitness-Tacho“ für dein Training

Wie du die Herzfrequenz deines Pferdes richtig misst, welche Werte normal sind und was die Pulskurve über Fitness und Gesundheit verrät.

📅 3. April 2026 ⏱ 10 Min. Lesezeit 📖 Fachwissen

In diesem Artikel

Messtechnik: So funktioniert ein HF-Messgerät

Ein Herzfrequenz-Messgerät für Pferde besteht aus drei Komponenten: zwei flachen Elektroden auf der linken Körperseite, einem Sender am Bauchgurt und einem Empfänger im Armbandformat für den Reiter.

So wird das Messgerät angelegt

Was moderne Geräte können

Pferdetagebuch-App: Die App verbindet sich per Bluetooth direkt mit deinem HF-Brustgurt (Standard BLE Heart Rate Profile). Kein separater Empfänger nötig – dein Smartphone oder die Apple Watch zeigt die Werte in Echtzeit an.

Was zeigt die Pulskurve an?

Die Herzfrequenz-Kurve ist weit mehr als nur eine Zahl. Sie verrät dir, wie dein Pferd tatsächlich belastet ist – unabhängig von Geschwindigkeit oder Gangart.

Bei Belastungsbeginn: Die Vorstart-Reaktion

Schon beim Satteln kann der Puls auf 110+ Schläge/min springen – rein psychisch bedingt. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Unter körperlicher Belastung folgt eine kurze Einschwingzeit, bis sich die Herzfrequenz einpendelt.

Merke: Ab ca. 120 Schlägen/min kannst du psychische Faktoren nahezu ausschliessen – dann ist die körperliche Belastung der dominierende Faktor. Je besser trainiert dein Pferd ist, desto kürzer ist die Einschwingzeit.

Bei Dauerbelastung: Der Steady-State

Nach 4–6 Minuten gleichmässiger Belastung pendelt sich die Herzfrequenz auf ein stabiles Niveau ein – den sogenannten Steady-State. Trainierte Pferde erreichen diesen Zustand bereits nach 2 Minuten.

Im Steady-State herrscht Gleichgewicht zwischen Sauerstoffbedarf und -nachschub. Je höher der Trainingszustand, desto höher die Belastungsstufe, bei der dein Pferd noch einen stabilen Steady-State halten kann.

Bei ansteigender Belastung

Die Herzfrequenz steigt linear bis ca. 140–200 Schläge/min (je nach Rasse und Training). Danach flacht der Anstieg ab. Wichtige Erkenntnis: Je flacher der Anstieg, desto leistungsfähiger ist dein Pferd.

Trainingszustand erkennen – zwei Indikatoren

Normalwerte nach Gangart – die grosse Referenztabelle

Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für die Herzfrequenz bei verschiedenen Belastungsarten. Bedenke: Das sind keine starren Normen – individuelle Faktoren beeinflussen die Werte erheblich.

Belastungsart Geschwindigkeit Herzfrequenz
Ruhe 30–50/min
Vorstart-Reaktion 65–100+/min
Schritt 6–8 km/h 50–90/min
Arbeitstrab 10–15 km/h 80–125/min
Schneller Trab 15–18 km/h 100–160/min
Arbeitsgalopp (Canter) 18–21 km/h 120–170/min
Galopp 24–32 km/h 160–200/min
Renngalopp 36–48+ km/h 205–240+/min

Achtung: Dies sind Orientierungswerte, keine Normen! Rasse, Alter, Trainingszustand, Temperament und äussere Bedingungen beeinflussen die Werte erheblich. Vergleiche immer nur dein eigenes Pferd mit sich selbst.

Was die Herzfrequenz beeinflusst

Die Herzfrequenz ist kein isolierter Wert – sie reagiert auf eine Vielzahl von Faktoren. Das ist gut zu wissen, um Messwerte richtig einzuordnen:

Tipp: Dokumentiere bei jeder Trainingseinheit auch Wetter, Tageszeit und Besonderheiten. So kannst du später besser einordnen, warum der Puls an bestimmten Tagen höher oder niedriger war. Das Pferdetagebuch erfasst Wetter und Temperatur automatisch.

Die Pulskurve lesen: Pulssummen und O2-Bilanz

Für die vertiefte Analyse der Herzfrequenz-Kurve unterscheidet man:

Pulskurven automatisch aufzeichnen

Die Pferdetagebuch-App zeichnet die komplette Herzfrequenz-Kurve während des Trainings auf. Nachher siehst du den Verlauf, die Zonenverteilung und die Erholungszeit – alles in einer übersichtlichen Ansicht.

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Herzfrequenz nach Disziplin

Je nach Disziplin unterscheiden sich die Belastungsmuster erheblich. Das hat direkte Auswirkungen auf die Trainingsgestaltung.

Dressur

Dressurarbeit beansprucht überwiegend den aeroben Stoffwechsel. Die Herzfrequenz im Grand Prix bewegt sich zwischen 60 und 160 Schlägen/min. Weniger die Ausdauer, dafür koordinative und biomechanische Fähigkeiten stehen im Vordergrund. Psychische Anspannung verstärkt die Herzbelastung zusätzlich.

Typisches Profil: Schritt (niedrig) → Lösen im Trab → Lektionen mit zunehmender Versammlung (Spitzen bis 150) → Schrittpausen (Absenkung) → Abwärmen.

Springen

Im Parcours liegt die Herzfrequenz bei 150–200 Schlägen/min. Blutlaktatwerte bis 6 mmol/l zeigen einen deutlichen anaeroben Anteil. Mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad steigt dieser Anteil – deshalb müssen im Training beide Stoffwechselwege trainiert werden.

Vielseitigkeit

Die körperlich anspruchsvollste Disziplin. In der Geländeprüfung variiert die Herzfrequenz je nach Teilstrecke stark: Wegestrecken bei 120–135/min, Rennbahn bei 170–210/min. Blutlaktat nach der Geländestrecke: bis zu 12 mmol/l – erheblicher anaerober Anteil.

Distanz

Bei Wettkampfdistanzen von 25 bis 160 km ist die Herzfrequenzkontrolle der entscheidende Parameter. Bei Vet-Checks muss der Puls nach 20 Minuten auf 64 Schläge/min abgefallen sein – sonst wird das Pferd ausgeschlossen. An Zwischenstopps werden 72/min nach 10 Minuten angestrebt.

Häufige Fragen zur Pulsmessung

Wie hoch ist der Puls beim Pferd in verschiedenen Gangarten?

Orientierungswerte: Ruhe 30–50/min, Schritt 50–90/min, Arbeitstrab 80–125/min, Arbeitsgalopp 120–170/min, Renngalopp 205–240+/min. Das sind Durchschnittswerte – individuelle Faktoren wie Rasse, Alter und Trainingszustand beeinflussen die Werte erheblich.

Was ist eine Vorstart-Reaktion?

Eine rein psychisch bedingte Erhöhung der Herzfrequenz – schon beim Satteln kann der Puls auf 110+ Schläge/min springen. Ab ca. 120/min überwiegt die körperliche Belastung. Die Vorstart-Reaktion ist normal und kein Grund zur Sorge.

Brauche ich einen Pulsgurt oder reicht eine Smartphone-App?

Ein Pulsgurt mit Hautelektroden ist die einzig zuverlässige Methode. Smartphone-Apps, die den Puls ohne Sensor am Pferd berechnen (z.B. aus der Handy-Bewegung), liefern keine verwertbaren Daten – schüttelt man das Handy im Stand, zeigen sie einen Arbeitspuls an.

Können dickes Fell oder Fettpolster die Messung stören?

Ja. Dichtes Winterfell und grosse Fettdepots können zu Fehlmessungen führen. Zuverlässige Messungen sind nur möglich, wenn das Fettpolster unter den Elektroden weniger als 3 cm beträgt. Das Fell an den Elektrodenstellen gut anfeuchten hilft zusätzlich.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt. Die Anwendung der beschriebenen Trainingsmethoden erfolgt auf eigene Verantwortung.

Quelle: Heipertz-Hengst, Christine: „Pferde richtig trainieren“, Kap. 3.2–3.3, S. 32–48. Die Inhalte wurden für die praktische Anwendung aufbereitet.