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PAT-Werte beim Pferd – Normalwerte, Messung und Warnsignale

Puls, Atmung und Temperatur sind die drei Vitalzeichen, die jeder Pferdebesitzer kennen sollte – sie sind die erste Maßnahme bei Verdacht auf gesundheitliche Probleme.

📅 3. April 2026 ⏱ 8 Min. Lesezeit 📖 Fachwissen

In diesem Artikel

Was sind PAT-Werte?

PAT steht für Puls, Atmung und Temperatur – die drei grundlegenden Vitalzeichen, die den Gesundheitszustand deines Pferdes widerspiegeln. Die regelmäßige Kontrolle dieser Werte gehört zum Basiswissen jedes Pferdehalters und ist die erste Maßnahme, wenn ein Pferd sich anders verhält als gewohnt.

Viele Veterinärmediziner betrachten das Herz als das entscheidende Organ für sportliche Leistungsfähigkeit. Doch auch Atmung und Temperatur geben wichtige Hinweise auf den Gesamtzustand. Erst im Zusammenspiel aller drei Werte ergibt sich ein zuverlässiges Bild.

Gut zu wissen: PAT-Werte sind individuell. Jedes Pferd hat seine eigenen Normalwerte. Deshalb ist es so wichtig, die Ruhewerte deines Pferdes zu kennen – erst dann erkennst du Abweichungen zuverlässig.

Puls (Herzfrequenz) – der wichtigste Vitalwert

Die Herzfrequenz gibt unmittelbar Aufschluss über die Belastungs- und Stoffwechselsituation deines Pferdes. Das Pferdeherz ist ein beeindruckender Muskel: Es wiegt 4–6 kg und pumpt in Ruhe etwa 800 ml Blut pro Schlag. Unter Belastung steigt das Schlagvolumen auf über 1.500 ml.

Ruhepuls: 25–40 Schläge/min

Der Ruhepuls eines gesunden Pferdes liegt nach Heipertz-Hengst bei 25–40 Schlägen pro Minute. In der breiteren Literatur (Röhm u.a.) finden sich auch Angaben von 30–50/min – je nach Rasse, Alter, Trainingszustand und Messbedingungen.

Anders als beim Menschen lässt sich der Ruhepuls eines Pferdes durch Training kaum weiter senken. Pferde haben von Natur aus einen sehr niedrigen Ruhewert. Während des Schlafes kann die Herzfrequenz noch weiter absinken.

Herzleistung in Zahlen

Parameter Ruhe Belastung
Herzfrequenz 25–40/min > 200/min
Schlagvolumen ca. 800 ml > 1.500 ml
Herzminutenvolumen ca. 30 l/min 190–250+ l/min

Das Herzminutenvolumen (Herzfrequenz × Schlagvolumen) steigt von ruhigen 30 Litern pro Minute auf 190–250+ Liter unter Belastung – eine Steigerung um das Sechs- bis Achtfache.

So misst du den Ruhepuls richtig

  1. Mindestens 5 Tage lang morgens zur gleichen Uhrzeit messen
  2. Pferd muss gesund, frei von Verletzungen und ausgeruht sein
  3. Im Stall messen, möglichst frei von Störungen
  4. Am besten sofort nach Betreten des Stalles – vor dem Füttern oder Herausführen
  5. Aus allen Werten den Durchschnitt berechnen

Beispiel: Mo 27 + Di 26 + Mi 28 + Do 29 + Fr 25 = 135 ÷ 5 = 27 Schläge/min

Du kannst den Puls manuell messen (Stethoskop oder Ertasten der Druckwelle an oberflächlichen Arterien) oder per Herzfrequenz-Monitor – dieser liefert die genauesten Ergebnisse durch Aufzeichnung der elektrischen Aktionspotentiale.

Alarmsignal Puls: Eine Erhöhung um 10–15 Schläge über den individuellen Normalwert kann auf eine beginnende Erkrankung hindeuten. Auch im Humansport gelten Schwankungen um 6–10/min als Hinweis auf Übertraining oder Krankheit.

Atmung – mehr als nur Luftholen

Die Lunge des Pferdes ist für Höchstleistungen ausgelegt: Mehr als 10 Millionen Lungenbläschen (Alveolen) bilden eine Austauschfläche, die größer als ein Fußballfeld ist. Die Sauerstoffaufnahme steigt unter Belastung um mehr als das 35-fache des Ruhewerts.

Atemfrequenz und -volumen

Parameter Ruhe Belastung
Atemfrequenz 12–20/min > 130/min
Atemzugvolumen 4–7 Liter > 10 Liter
Atemminutenvolumen ca. 80 l/min ca. 1.800 l/min

Das Atemminutenvolumen (Atemfrequenz × Atemzugvolumen) steigt von 80 Litern in Ruhe auf gewaltige 1.800 Liter pro Minute unter maximaler Belastung – eine Steigerung um mehr als das 20-fache.

Atem-Galopp-Kopplung

Eine faszinierende Besonderheit: Im Galopp macht das Pferd mit jedem Galoppsprung genau einen Atemzug. Die gestreckte Körperhaltung in der Stützphase erleichtert die Ausatmung, die Zusammenziehung des Körpers in der Schwebephase unterstützt die Einatmung (Kolbenmechanismus). Erst im stärksten Renngalopp wird diese Kopplung aufgegeben.

Richtig messen

Zähle die Flankenbewegungen des Pferdes in Ruhe über 30 Sekunden und multipliziere mit 2. Alternativ kannst du die Atemluft an den Nüstern fühlen oder mit einem Stethoskop die Atemgeräusche abhören. Miss immer in entspannter Umgebung, bevor du fütterst oder das Pferd bewegst.

Vorsicht – Dämpfigkeit: Die Eigenelastizität der Lunge geht mit dem Alter oder durch chronischen Husten allmählich verloren. Die resultierende Dämpfigkeit führt dazu, dass die Atemarbeit bei erschöpfender Galopparbeit auf bis zu das 475-fache des Ruhewerts ansteigen kann. Achte auf angestrengte, stoßweise oder doppelschlägige Ausatmung.

Wichtig: Die Erholungswerte der Atmung können nicht gleichwertig zur Fitness-Beurteilung herangezogen werden wie die Herzfrequenz. Die Atemfunktion hängt direkt mit der Wärmeregulation zusammen – ein Pferd, das bei Hitze schneller atmet, ist nicht zwingend weniger fit.

Temperatur – Fieber früh erkennen

Die Körpertemperatur ist ein zuverlässiger Indikator für den Gesundheitszustand und wird rektal mit einem digitalen Fieberthermometer gemessen. Eine regelmäßige morgendliche Kontrolle – idealerweise zusammen mit dem Ruhepuls – ermöglicht frühzeitiges Erkennen von Infektionen und Entzündungen.

Normalwerte

So misst du die Temperatur richtig

  1. Verwende ein digitales Fieberthermometer mit flexibler Spitze
  2. Thermometer mit Vaseline oder Gleitmittel einstreichen
  3. Vorsichtig rektal einführen (ca. 3–5 cm)
  4. Thermometer leicht gegen die Darmwand drücken (nicht mittig im Kot messen)
  5. Signalton abwarten – nicht vorher herausziehen
  6. Am besten morgens in Ruhe messen, bevor das Pferd gearbeitet oder gefüttert wird

Praxis-Tipp: Befestige eine Schnur mit Klemme am Thermometer und clippe sie am Schweif fest. So kann das Thermometer nicht im Darm verschwinden, falls das Pferd einzieht. Messe immer zur gleichen Tageszeit – die Körpertemperatur schwankt im Tagesverlauf leicht.

Beachte: Die Temperatur kann durch äußere Faktoren beeinflusst werden: heißes Wetter, direkte Sonneneinstrahlung, körperliche Anstrengung und Aufregung können den Wert vorübergehend erhöhen. Miss daher immer unter standardisierten Bedingungen in Ruhe.

PAT-Werte Übersichtstabelle

Die folgende Tabelle fasst alle PAT-Werte mit Ruhe-, Belastungs- und Alarmwerten zusammen. Drucke sie dir aus und hänge sie im Stall auf – so hast du die Referenzwerte im Notfall sofort zur Hand.

Vitalwert Ruhe Leichte Belastung Starke Belastung Alarmwert
Puls (Schläge/min) 25–40 80–125 160–240 > 50 in Ruhe; nach 30 Min. noch > 68
Atmung (Züge/min) 12–20 40–60 > 130 > 24 in Ruhe; angestrengt / doppelschlägig
Temperatur (°C) 37,5–38,2 38,0–38,8 bis 39,0 > 39,0 in Ruhe; > 40,0 immer
Erholungszeit nach Training Puls-Richtwert Bewertung
1. Erholungsminute Absenkung um ca. 30 Schläge
Nach 5 Minuten Unter 100/min
Nach 10 Minuten Unter 68/min Okay
10–30 Minuten Um 68/min Kontrollbedürftig
Nach 30 Minuten Immer noch über 68/min Alarmzeichen!

Mache die tägliche Bestimmung der Herzfrequenz und Temperatur morgens zur Routine. So erkennst du Fitness-Zustand, Leistungsreserven und Erholungsfähigkeit frühzeitig.

Wann zum Tierarzt?

PAT-Werte sind dein Frühwarnsystem. Kontaktiere deinen Tierarzt, wenn einer oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

Warnsignale – Tierarzt kontaktieren:

Distanzreiten: Bei Vet-Checks muss der Puls innerhalb von 20 Minuten auf 70 Schläge/min zurückgegangen sein – sonst darf der Ritt nicht fortgesetzt werden. Dieser strenge Maßstab zeigt, wie ernst die Erholung genommen wird.

Was die Erholung verzögern kann

PAT-Werte immer im Blick

Mit dem Pferdetagebuch dokumentierst du Puls, Atemfrequenz und Temperatur täglich und erkennst Trends über Wochen und Monate. Dein Tierarzt wird es dir danken.

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PAT-Werte dokumentieren

Die konsequente Dokumentation der PAT-Werte ist der Schlüssel zu frühzeitiger Erkennung von Gesundheitsproblemen und Trainingsfortschritten. Empfohlen wird die tägliche Erfassung folgender Werte:

Durch die regelmäßige Aufzeichnung lernst du den individuellen Normalzustand deines Pferdes kennen. Schon eine Erhöhung des Ruhepulses um 10 Schläge kann auf eine beginnende Erkrankung hinweisen – aber nur, wenn du den Normalwert kennst.

PAT-Werte digital erfassen

Das Pferdetagebuch zeichnet Herzfrequenz-Daten automatisch per BLE-Sensor auf. Temperatur und Atemfrequenz trägst du mit wenigen Klicks ein. So entsteht ein lückenloses Gesundheitsprotokoll.

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Häufige Fragen zu PAT-Werten

Was sind PAT-Werte beim Pferd?

PAT steht für Puls, Atmung und Temperatur – die drei wichtigsten Vitalzeichen beim Pferd. Der Ruhepuls liegt bei 25–40 Schlägen/min, die Atemfrequenz bei 12–20 Zügen/min und die Körpertemperatur bei 37,5–38,2 °C. Sie sind die erste Maßnahme bei Verdacht auf gesundheitliche Probleme und gehören zum Basiswissen jedes Pferdehalters.

Wie messe ich den Ruhepuls meines Pferdes richtig?

Miss den Ruhepuls an mindestens 5 aufeinanderfolgenden Tagen morgens zur gleichen Uhrzeit, bevor du fütterst oder das Pferd herausführst. Das Pferd muss gesund und ausgeruht sein. Berechne den Durchschnitt aller Messungen – das ist der individuelle Normalwert deines Pferdes. Eine Erhöhung um 10–15 Schläge darüber gilt als Alarmsignal.

Ab welcher Temperatur hat mein Pferd Fieber?

Die normale Körpertemperatur liegt bei 37,5–38,2 °C (rektal gemessen). Nach intensivem Training kann die Temperatur kurzfristig auf bis zu 39 °C ansteigen, was noch normal ist. Ab 38,5 °C in Ruhe spricht man von erhöhter Temperatur, ab 39 °C von Fieber. Bei Temperaturen über 39 °C sollte ein Tierarzt konsultiert werden.

Warum ist die Atemfrequenz nach dem Training nicht so aussagekräftig wie der Puls?

Die Atemfunktion hängt direkt mit der Wärmeregulation zusammen. Ein Pferd, das bei Hitze schneller atmet, ist nicht zwingend weniger fit – es reguliert seine Körpertemperatur. Deshalb eignet sich die Erholungs-Herzfrequenz besser als Fitness-Gradmesser. Die Ruhe-Atemfrequenz ist jedoch ein wichtiger Gesundheitsindikator.

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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen oder Unsicherheiten wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt. Die Anwendung der beschriebenen Trainingsmethoden erfolgt auf eigene Verantwortung.

Quellen: Heipertz-Hengst, Christine: „Pferde richtig trainieren“, Kap. 1.3 (S. 17–20), Kap. 3.2–3.3 (S. 32–48), Kap. 4.1–4.3 (S. 49–59). Röhm, Britta: „Trainingslehre für Freizeitreiter“. Die Inhalte wurden für die praktische Anwendung aufbereitet. Temperatur-Referenzwerte nach veterinärmedizinischem Standard.